HOJO - Kashima Shinden Jikishinkage-Ryu


Hojo - englisch: "Houjou" geschrieben - ist ein altes, japanisches Schwertritual. In einer stilisierten Abfolge von Angriffs- und Abwehrritualen stehen sich Vater und Sohn gegenüber. Der Sohn, jugendlich stürmisch und unbändig, fordert den erfahrenen Vater zum Zweikampf mit dem Schwert heraus.

Hojo Uchikomi

In vier “Bildern”, benannt nach den vier Jahreszeiten, mit jeweils eigener Atemtechnik und Bewegungsfolge führen beide Partner äusserst präzise Schritt-, Schlag- und Stossbewegungen mit einem massiveren Holzschwert (Bokken) aus.

Hojo fördert die Konzentrations- und Atemtechnik. Die vier “Bilder” werden direkt aufeinander folgend in einem Durchgang ausgeführt. Die Rollen von Vater und Sohn werden in der Hälfte des Durchlaufs, ebenfalls zeremoniell, getauscht.

Beim ganzen Ritual werden die Energien, die Konzentrationskräfte und die Aufmerksamkeit beider Trainingspartner sehr stark aneinander gebunden. Hojo baut dadurch äusserst stark die Lebensenergie auf.
 

Hojo Moroude 1Hojo Moroude 2

 



Hojo HumpoHojo Noken

Hojo wird zurzeit nur in wenigen Dojos der Schweiz regelmässig unterrichtet, so auch in Aarau. Jährlich finden vier bis fünf überregionale Wochenendanlässe statt und jeden Oktober eine, inzwischen schon traditionelle Trainings- und Ferienwoche im italienschen Ort Prajano.

Hojo-Training: siehe Trainingsplan

Der Ursprung dieser alten japanischen Tradition reicht bis ins 14. Jahrhundert zurück zum Kashima-Jingu, einem grossen Shinto-Schrein ca. 80km östlich von Tokio. Am Kashima-Jingu wurde eine der bedeutendsten Budo-Ausbildungsstätten geschaffen, mit heutigen Worten etwa mit der Bedeutung einer Budo-Akademie, das berümte  "Kashima Shinden Jikishinkage-ryu" (Link zu Wikipedia in englisch).

In der von Waffenkünsten beheimateten Anlage wurde das spezielle Ritual als  Mittel zur Erlangung zenmeditativen Bewusstseins aus der Schwertkampfkunst entwickelt und verfeinert.

Im Zuge der weltweit zunehmenden Ausbreitung des Aikido im 20. Jahrhundert fand Hojo anfangs der 80er Jahre durch Meister Masatomi Ikeda in der Schweiz viele begeisterte Anhänger.

Da es in dieser Disziplin nicht ums Siegen oder Verlieren geht, werden keine Wettkämpfe ausgetragen. Zu dessen Ausübung werden weder Schutzkleidung noch Helme benötigt.

Mit einem etwas dickeren, geraden Bokken (Holzschwert) übt man die speziellen Schritt- und Schlagtechniken. Die dazugehörige Bauchatmung wird durch verstärkten Einsatz der Stimme (Kiai) kräftig unterstützt. Durch dieses energieentfaltende Kiai und den zu lernenden Formen entwickelt sich der Weg zu den dynamischen Bewegungsabläufen, welche, mit gleichzeitiger Erhöhung des Gleichgewichts, zu verbesserter Körperkoordination führt und die Konzentrationsfähigkeit zu steigern vermag.

Hojo Uchikomi

 

Im Sinne eines Lehrer - Schüler-Verhältnisses wird die vorgegebene Uebung mit höchster Aufmerksamkeit im Ablauf der vier Jahreszeiten ohne Zwischenhalt durchgespielt:

  • Frühling - langsam erwachend, aufwärmend
  • Sommer - in voller Intensität, heiss
  • Herbst - abnehmend, beschleunigend, abkühlend
  • Winter - langsam, erstarrend, kalt

Der Ablauf im Detail: 

Unter ständigem Blickkontakt beider Partner werden die Energien im Wechsel von langsamen und schnellen Abschnitten mit dem notwendigen Feingefühl hin- und herbewegt.

In diesem deutlich spürbaren Rhythmus offenbart sich das Gegensätzliche, Yin und Yang. Es widerspiegelt die Charaktere der einzelnen Uebungsteile. Daraus wächst ein tiefes Verständnis für die Naturgesetze, welches es den Praktizierenden erlaubt, bis zu ihrem Innersten vorzudringen.

Durch die harmonische, vollendete Einheit von Körper und Geist erfährt der Mensch eine intensive Beziehung zum Universum.