Uke & Ukemi

Ukemi-waza: "Falltechnik" - Uke: der Angreifer, eigentlich "der Empfangende der Technik"

Aikido kann man nicht alleine lernen, nicht aus Büchern und nicht vom Sofa aus. Man lernt es zu zweit oder in der Gruppe im Dojo. 
Um Fortschritte zu erzielen, kann der lernende Aikidoka sich allerdings nicht nur auf die Ausführung der Techniken beschränken. Es ist sehr wichtig, auch Angriffe korrekt auszuführen, damit er die Wirkung der Gegenmassnahmen auf den Angreifer ebenso erlebt. 

Ein korrekter Angriff ist nicht zu verwechseln mit einer möglichst auf Wirkung optimierten Attacke! 
Er soll nicht blindwütig wirken. Dadurch geht bloss der allgemeine Überblick verloren und der Angreifer entblösst fast unendlich viele Schwachpunkte für Gegenmassnahmen. 

Ein korrekter Angriff beschränkt sich auch nicht auf die äusserlich gut sichtbaren Angriffsbewegungen oder Griffe. Er umfasst weitere, von aussen kaum sichtbare Qualitäten:

  • eine dem Können des lernenden Partners angepasste Ausführung
  • stabiler, sicherer Griff mit lückenlosem Schliessen der Fäuste beim Greifen und Beibehalten dieses sicheren Griffs auch in der Bewegungsfolge
  • eine mutige, ohne Zögern und mit ausreichender Dynamik ausgeführte Angriffsbewegung
  • die kontinuierliche Weiterführung der Initialangriffsbewegung, auch wenn der Partner bereits Gegenmassnahmen eingeleitet hat
  • das Akzeptieren der Gegenmassnahmen des Verteidigers zur Unterstützung von dessen Lernfortschritten

Speziell der letzte Punkt mag für Anfänger und Aussenstehende unlogisch erscheinen. Wieso soll der Angreifer die Gegenmassnahmen akzeptieren?

Obwohl im Anfängergrad durchaus möglich, ist Blockieren der Ausführung der Technik nicht erwünscht. Es hindert nicht nur den Bewegungsfluss, sondern birgt beträchtliches Verletzungsrisiko. 
Durch Blockieren versteifft sich der Muskeltonus des Angreifers, wodurch er die Gegenmassnahmen nicht mehr zulässt, aber auch deren Wirkung und Bewegungsrichtung nicht mehr erfährt. Er blockiert letzlich auch seine Lernfortschritte.

Mit Blockieren ist ein Folgeangriff ebenfalls unmöglich. Das ist aber die logische Fortsetztung eines im ersten Moment ins Leere stossender Angriff: Die Folgebewegung beinhaltet wieder Dynamik, welche dem praktizierenden Aikidoka Gelegenheit zur Übung bietet. Unaufmerksamkeit und offene Positionen treten zutage.

Merke: Nicht nur ein erfolgreicher Angriff ist ein guter Angriff. Ein Angriff soll auch zweckdienlich sein!

Ein zweckdienlicher Angriff hilft dem Lernenden, sich die Initialbewegung und Geschwindigkeit des Angiffs einzuprägen, die Richtung und Dynamik zu fühlen und so seine Gegenmassnahmen wirkungsvoll anzubringen.

Ein erfahrener Aikidoka kann einen sich der natürlichen Bewegung widersetzenden Partner durchaus mit adäquaten Interventionen trotzdem zum Abschluss seiner Technik motivieren:

  • Kuzushi - Brechen des Gleichgewichts oder Stören der Stabilität des Angreifers
  • Atemi-waza - Störaktionen mittels Schlägen
  • Renraku-waza - das Fortführen einer eingeschlagenen Angriffsbewegung  bis zu dessen Unwirksamkeit und
  • Henka-waza - entgegen der ursprünglich eingeschlagenen Bewegung ausgeführte Gegenmassnahmen (Aikido-Technik)

sind nur einige Möglichkeiten, eine Technik trotz Intervention des Angreifers erfolgreich zum Abschluss zu bringen. 
Möchte man dies in der Realität umsetzen, sind Schmerz oder gar Verletzungen nicht ausgeschlossen! 

MerkeEs ist nicht Aufgabe von Uke, mit Interventionen seinem Partner seine Überlegenheit zu demonstrieren!

Uke ist ein Instrument des Aiki, damit sich der Lernende mit den Bewegungsabläufen der Attacke befassen kann.


Die Zielvorgabe der Lektion und der jeweiligen Übung setzt in jedem Fall der Instruktor.

Alle Anwesenden, ob Anfänger oder Fortgeschrittene sind auch Uke. Die Rollen - Angreifer/Verteidiger - werden beidseitig geübt. Damit wird der Angreifer zum Partner jedes Lernenden und damit zu einem Instrument, zur Erreichung des Ziels, damit der Ausführende die Bewegungsfolgen best möglich lernen kann.

So wird das Erzielen von Fortschritten zur partnerschaftlichen Gemeinschaftsaufgabe: In der Rolle des Verteidigers lernt man die korrekte Anwendung der Techniken. 
In der Rolle des Angreifers erfährt man so einiges über die Wirkung der ausgeführten Technik und über die Wirkungslosigkeit des Angriffs. 

Der erfahrene Aikido-Partner stellt sich als Uke in den Dienst des Übenden, damit dieser lernen und sich weiter entwickeln kann.

Dies ist Bestandteil seines eigenen - Do -, seines Entwicklungsweges. Es überschreitet die Grenze der blossen "Banalität der Kraft", einen möglichst wirkungsvollen Angriff anbringen zu können.


Vorbereitung

Damit gute 'Uke-Arbeit' gefahrlos geübt werden kann, sind Vorbereitungen unerlässlich. 
Man muss in der Lage sein, flink, flexibel, seiner eigenen Angriffsbewegung sowie der Technik des Verteidigers folgend mit zu gehen.

Stürze und Überschläge oder auch Würfe müssen ohne eigene oder Fremdgefährdung aufgefangen werden können.

Abrollen aus allen denkbaren und vielleicht noch ein paar (fast) undenkbaren Positionen, Auffangen von Stürzen mittels energieverzehrendem Abklopfen auf dem Untergrund u.v.m. gehören zum nötigen Repertoire guter Uke-Arbeit.

Das Erlernen und Üben dieser Fertigkeiten ist Bestandteil jeder Lektion.